Headway 2023 - Mental Health Index, eine Initiative zur psychischen Gesundheit

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  • Published: 21 Okt 2021

Frauen und Kinder sind während der Pandemie am stärksten von psychischen Störungen betroffen: Headway 2023 Mental Health Index

  • 83 Prozent der Frauen geben an, dass sich die Pandemie negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt hat, bei den Männern hingegen nur 36 Prozent.
  • 20 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter leiden zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens unter leichten bis moderaten Formen psychischer Störungen.
  • Jedes dritte Kind, das die Schule abbricht, leidet ebenfalls unter einer psychischen Störung.
  • Es bestehen europaweit große Unterschiede in der Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Qualität der angebotenen psychosozialen Dienste und auch in Hinblick auf die Bereitschaft der europäischen Länder, auf die Bedürfnisse der psychischen Gesundheit in Schulen, an Arbeitsplätzen und ganz allgemein in der Gesellschaft einzugehen.

 

Brüssel, 7. Oktober 2021: Laut aktuellen Erkenntnissen des „Headway 2023 – Mental Health Index“ hat die COVID-19-Pandemie die geschlechterspezifischen Herausforderungen zusätzlich verschärft, da vor allem Frauen, sowohl zu Hause als auch in der Arbeit, unverhältnismäßig stark unter den negativen Folgen der Pandemie auf die psychische Gesundheit leiden. Dieser Bericht wirft außerdem ein Licht auf die Auswirkungen von psychischen Störungen bei Kindern und zeigt einen möglichen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Schulabbruch auf. Jeder dritte Jugendliche, der die Schule abbricht, leidet ebenfalls unter einer psychischen Störung.

Der Index liefert ein mehrdimensionales Bild, das in den Ländern der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich im Rahmen der Headway 2023 Initiative gezeichnet wurde, einer Initiative zur psychischen Gesundheit, die von The European House - Ambrosetti, einer Denkfabrik mit Sitz in Italien, in Zusammenarbeit mit Angelini Pharma konzipiert und ins Leben gerufen wurde. Headway 2023 wurde als multidisziplinäre Plattform für Wissensaustausch zur Prävention, Diagnose, Bewältigung und zur Erarbeitung innovativer Lösungen errichtet, um die durch psychische Störungen und die damit verbundene Stigmatisierung verursachte Last auf europäischer und lokaler Ebene einzudämmen und so gering wie möglich zu halten.

Pierluigi Antonelli, Chief Executive Officer bei Angelini Pharma, dazu: „Die Bemühungen zur Aufarbeitung der durch COVID-19 verursachten Probleme bieten eine einzigartige Gelegenheit, die psychosozialen Gesundheitsdienste und -strategien in Europa zu stärken, indem wir die mentale Gesundheit an die erste Stelle der europäischen Gesundheitsagenda setzen. Der Headway 2023 Mental Health Index bietet die erste umfassende Übersicht über den Zustand der psychosozialen Gesundheitssysteme in Europa. Der Bericht unterstreicht die hohe Verbreitung psychischer Erkrankungen bei Menschen im erwerbsfähigen Alter und damit auch die dringende Notwendigkeit, dass auch von Seiten der Arbeitgeber mit der Einrichtung geeigneter Systeme auf die Bedürfnisse der psychischen Gesundheit reagiert wird. Die Angelini Group bietet, nicht zuletzt dank des starken Engagements unserer Aktionäre, einen psychologischen Helpdesk an, der allen Mitarbeitern offensteht. Es ist überaus wichtig, dass wir einerseits Einfluss auf die externe politische Entwicklung nehmen aber andererseits auch innerhalb unserer Unternehmen kohärent und verantwortungsbewusst handeln.“

„Das Thema der psychischen Gesundheit ist von entscheidender Bedeutung, da man weiß, dass die Einschränkungen der psychischen Gesundheit weit über Alter, Geschlecht, sozialen Status und Herkunft hinausgehen und dass psychische Störungen nicht nur auf den Einzelnen und seine Familie, sondern auch auf die gesamte Gesellschaft erhebliche Auswirkungen haben. Unsere eigene Analyse sowie der „Headway 2023 - Mental Health Index“ berücksichtigen alle diese Aspekte. Unsere Arbeit zeichnet ein mehrdimensionales Bild der psychischen Gesundheit in Europa und verknüpft Elemente und Maßnahmen aus den gesundheits-, sozial- und bildungspolitischen Bereichen in den europäischen Ländern. Darüber hinaus zeigt sie die Schwächen und Erfolge der Länder bei der Bewältigung der Bedürfnisse im Bereich der psychischen Gesundheit anhand eines Vergleichs mit anderen europäischen Erfahrungen auf“, so Daniela Bianco, Partnerin und Leiterin des Bereichs Gesundheitswesen, The European House – Ambrosetti.

„Die COVID-19-Pandemie hatte massive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der gesamten Bevölkerung. Allerdings zeichnete sich in Europa schon lange vor Beginn der Pandemie ein besorgniserregendes Bild der Situation der psychischen Gesundheit ab. Mehr als 84 Millionen Menschen leiden an psychischen Erkrankungen und jedes Jahr sterben 165.000 Menschen infolge von psychischen Erkrankungen oder Suizid. So ist beispielsweise die Lebenserwartung von Menschen mit Schizophrenie, die aktuell bei 60 Jahren für Männer und 68 Jahren für Frauen liegt, um 13 bis 15 Jahre geringer als die der restlichen Bevölkerung. Darüber hinaus ist Suizid die sechsthäufigste Todesursache in der Gesamtbevölkerung und die vierthäufigste Todesursache in der Bevölkerungsgruppe der Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen. In manchen Ländern sind die Auswirkungen psychischer Störungen bei Jugendlichen größer als die Gesamtheit der Folgen aller anderen medizinischen Beschwerden. Die heute vorgestellten Analysen zeigen, dass es europaweit große Unterschiede bei der Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Qualität der angebotenen psychosozialen Dienste und auch in Hinblick auf die Bereitschaft der europäischen Länder gibt, auf die Bedürfnisse der psychischen Gesundheit in Schulen, an Arbeitsplätzen und ganz allgemein in der Gesellschaft einzugehen“, ergänzt Celso Arango, Präsident der Spanish Psychiatric Association und Berater von „Headway 2023“. „Allerdings besteht ein erheblicher Mangel an aktuellen Daten und die Gefahr möglicher Verzerrungen aufgrund von „Falschmeldungen“ und „Unterberichterstattung“. Es ist daher von höchster Bedeutung, dass die Länder ihre Kapazitäten zur Erhebung und Überwachung von psychischen Gesundheitsdaten weiter ausbauen, um die Entwicklung der mentalen Gesundheit in den einzelnen Ländern zu bewerten und ihre Reaktion auf die gesundheitlichen und sozioökonomischen Bedürfnisse im Bereich der mentalen Gesundheit beurteilen zu können“

Jüngsten Schätzungen zufolge berichten 83 Prozent der Frauen, dass sich die Pandemie negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt hat, hingegen nur 36 Prozent der Männer. Schwangere Frauen, Frauen in der postpartalen Phase oder solche, die ein Trauma wie eine Fehlgeburt oder Missbrauch durch ihren Lebens- oder Sexualpartner erlitten haben, zeigten sich am anfälligsten für psychische Belastungen durch die Pandemie. Die Doppelbelastung durch Hausarbeit und Kinderbetreuung wirkte sich ebenfalls erheblich auf das psychische Wohlbefinden vieler Frauen aus. 44 Prozent der Frauen mit Kindern unter 12 Jahren gaben an, dass sie mit den anfallenden Hausarbeiten und Verpflichtungen zu kämpfen haben, bei den Männern hingegen nur 20 Prozent. 

Der Bericht enthüllt auch, dass psychische Erkrankungen – insbesondere in leichterer bis mittelschwerer Ausprägung – bis zu 20 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens treffen können, während ganze 70 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung über leichte bis mittelschwere psychische Probleme klagen. Psychische Probleme können sich auch erheblich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken und die Fähigkeit der Betroffenen, sich am Arbeitsmarkt einzugliedern, massiv einschränken.  Es wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, dass die Beschäftigungsquote von Menschen mit schweren psychischen Störungen bei nur 45 bis 55 % liegt und dass das Gehalt der Beschäftigten ganze 58 % unter dem Durchschnittsgehalt liegt. Generell kann man sagen, dass die Beschäftigungsquote von Menschen, die an Depressionen leiden, in Europa sehr heterogen ist und von 27 % in Rumänien bis zu 68 % in Deutschland reicht. Allerdings sind Krankschreibungen und Arbeitsausfälle keine Seltenheit und die Kosten für den Verlust der Arbeitsproduktivität sind hoch (etwa 1,6 % des europäischen BIP).

Je länger die Pandemie andauert, desto anfälliger werden die Beschäftigten im Gesundheitswesen aufgrund der anhaltenden Belastung in einem extrem stressigen und potenziell traumatischen Umfeld für psychischen Stress und Angstzustände, die sich langfristig auf die Gesundheit auswirken. In Europa klagten 57 Prozent der medizinischen Fachkräfte während des Höhepunkts der Pandemie über posttraumatische Stresssymptome.

Der „Headway 2023 Mental Health Index“ untersucht darüber hinaus auch die sozioökonomischen Auswirkungen von psychischen Störungen. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die in Zusammenhang mit psychischen Störungen anfallenden Gesamtkosten in Form von Produktivitätsverlusten und zusätzlichen Ausgaben für das Gesundheits- und Sozialwesen etwa 4 % des BIP der EU ausmachen. Obgleich die psychische Gesundheit von entscheidender sozioökonomischer Bedeutung ist, werden europaweit nur etwa 5 Prozent der gesamten staatlichen Gesundheitsausgaben für die psychische Gesundheit aufgewendet (die Werte liegen zwischen 3 % in Polen, 3,5 % in Italien, 4,2 % in Spanien und 5,4 % in Dänemark), was sich natürlich erheblich auf die Verfügbarkeit von Infrastrukturen und personellen Ressourcen im Bereich der psychischen Gesundheit auswirkt.  Was den Umgang mit den Bedürfnissen der Gesellschaft in Hinblick auf die psychische Gesundheitsvorsorge und -versorgung angeht, berichten Länder mit höheren Pro-Kopf-Ausgaben für psychisch bedingte Beeinträchtigungen über eine stärker wahrgenommene soziale Unterstützung.

Allgemein geht aus den verfügbaren Daten hervor, dass die nord- und mitteleuropäischen Länder besser abschneiden als die osteuropäischen Länder, allerdings besteht in einigen Ländern ein erheblicher Mangel an aktuellen Daten und die Gefahr von möglichen Verzerrungen aufgrund von „Falschmeldungen“ und „Unterberichterstattung“.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an:

Daniela Poggo I Angelini Pharma I daniela.poggio@angelinipharma.com

Anne-Claude Martin I Cambre Associates I acmartin@cambre-associates.com

Hinweise für den Herausgeber:

Um den Bericht zu lesen, klicken Sie hier.

Methodik

Der „Headway 2023 Mental Health Index“ berücksichtigt 43 Leistungsindikatoren (KPI), die sich auf zwei Makrobereiche beziehen – den psychischen Gesundheitszustand der Bevölkerung und die Reaktionsfähigkeit der Gesundheitssysteme.

Der Makrobereich „Psychischer Gesundheitszustand der Bevölkerung“ misst das Ergebnis der Qualität des Gesundheitssystems, der Makrobereich „Reaktionsfähigkeit der Gesundheitssysteme“ hingegen die Qualität der bereitgestellten Gesundheits- und Sozialfürsorgedienste sowie der Maßnahmen zur Förderung des psychischen Wohlbefindens am Arbeitsplatz, in der Schule und der Gesellschaft im Allgemeinen:

  • Der Bereich „Psychischer Gesundheitszustand der Bevölkerung“ berücksichtigt 18 KPI.
  • Der Bereich „Reaktionsfähigkeit auf die Bedürfnisse des Gesundheitswesens“ 12 KPI.
  • Der Bereich „Reaktionsfähigkeit auf die Bedürfnisse am Arbeitsplatz, in der Schule und der Gesellschaft im Allgemeinen“ jeweils 5 KPI, 5 KPI und 3 KPI.

Für jeden der 43 KPI wurde den Ländern mit der jeweils besten bzw. schlechtesten Leistung eine Höchstpunktzahl von 10 bzw. eine Mindestpunktzahl von 1 zugewiesen. An jedes Land mit einer durchschnittlichen Leistung wurde hingegen abhängig vom jeweiligen Ergebnis eine Punktzahl von 1 bis 10 vergeben. Die KPI wurden dann auf einer Skala von 1 bis 10 hinsichtlich ihres jeweiligen Punktwerts standardisiert, um ihre relative Leistung vergleichbar zu machen.

Besteht ein KPI aus mehreren Teilindikatoren, wird die Punktzahl auf jeden Teilindikator angewendet. Die endgültige Punktzahl ergibt sich dann aus dem Durchschnitt der Punktzahlen aller Teilindikatoren. Nach der Berechnung der Punktzahl für jeden KPI wird für jeden Bereich anhand des Durchschnitts der KPI-Punktzahl eine entsprechend der vorgegebenen Gewichtung gewichtete Punktzahl ermittelt.

Über Headway 2023

Headway 2023 ist eine internationale Initiative für psychische Gesundheit, die 2017 von The European House–Ambrosetti in Kooperation mit Angelini Pharma ausgearbeitet und ins Leben gerufen wurde. Sie ist als multidisziplinäre Plattform für Wissensaustausch zur Prävention, Diagnose, Bewältigung und zur Erarbeitung innovativer Lösungen konzipiert, um die durch psychische Störungen und die damit verbundene Stigmatisierung verursachte Last einzudämmen.

Über Angelini Pharma

Angelini Pharma ist ein internationales Pharmaunternehmen, das zur italienischen Angelini Group gehört, die in privater Hand geführt wird.

Das Unternehmen erforscht, entwickelt und vermarktet weltweit erfolgreich Gesundheitslösungen mit Schwerpunkt auf den Bereichen Zentrales Nervensystem (ZNS) und psychische Gesundheit, einschließlich Schmerztherapie, seltene Krankheiten und Verbrauchergesundheit mit wirksamen Medikamenten zur Selbstmedikation.

Angelini Pharma wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Italien gegründet und ist heute mit mehr als 3.000 Mitarbeitern in 25 Ländern tätig. Die Produkte des Unternehmens werden heute – unter anderem durch strategische Allianzen mit führenden internationalen Pharmakonzernen – in über 70 Ländern vermarktet.

Über The European House Ambrosetti

The European House - Ambrosetti ist eine führende Denkfabrik und Managementberatung mit 280 Fachleuten, die seit 1965 gegründet wurde und die im Laufe der Jahre, auch dank der Beiträge und Unterstützung unzähliger Partner, zahlreiche Aktivitäten in Italien, Europa und dem Rest der Welt ins Leben gerufen hat.

Zum achten Mal in Folge wurde The European House – Ambrosetti im aktuellen „Global Go To Think Tanks Report“ der Universität Pennsylvania in der Kategorie „Best Private Think Tanks“ zur Nr. 1 der Denkfabriken in Italien, zur viertbesten Denkfabrik in der Europäischen Union und zu einer der angesehensten unabhängigen Denkfabriken aus weltweit 11.175 Think Tanks gewählt. The European House - Ambrosetti wurde vom Top Employers Institute als einer der 112 Top-Arbeitgeber 2021 in Italien ausgezeichnet. Weitere Informationen dazu finden Sie auf www.ambrosetti.eu. Folgen Sie uns auf twitter.com/Ambrosetti